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ES WAR IM JUNI 1882

Man hatte sich wie schon so oft in der "Schankwirtschaft zum Jägerhof" von Lambert Kamann zu einer Skatrunde getroffen. Nach beendetem Spiel blieb man noch ein Weilchen und diskutierte Altes und Neues. Wie schon öfter in der Vergangenheit kam man wieder zu der Feststellung, dass es in Ossenberg bis Dato keinen einzigen Geselligkeitsverein wie z.B.in den umliegenden Nachbargemeinden gab. Nur die Ossenberger Bürgerschützen gab es, die jedoch nur fünfjährlich (manchmal auch noch in größeren Zeitspannen) ausschließlich, ihre Schützenfeste feierten und nach der jeweils im Oktober erfolgten Kassensprengung 5 Jahre lang passiv blieben. Ossenberg sollte auf diesem Gebiet nicht langer zurückstehen. Die oben erwähnte Skatrunde wurde von den Anwesenden beauftragt, erste Beschlüsse zufassen. Die Herren der Skatrunde waren:
Wilhelm Hink. Bierbrauer und Rübenkrautfabrikant, Berkastrasse (heute Slipicki)
Johann Fonk .Landwirt, Kirchstraße . (heute Alt-Bauernhaus Ecke Kirch-Dammstraße)
Johann Wardemann, Landwirt, Schloßstraße (heute Gerhard Wardemann)
Wilhelm Kausen. Rheinlastkahn-Eigner, Berkastraße (heute Reuter-Growe)
Dietrich Wessels. Landwirt, Landwehrstraße(früher v.Bäckerei Röös bis B 57, Heute DSW)
Am Ende der Überlegungen in dieser Runde war das Skelett des ersten Ossenberger Geselligkeitsvereins erstellt. Wilhelm Hink war als 1. Vorsitzender ernannt. In der folgenden Woche wurde die Neuigkeit durch Mundpropaganda verbreitet und für den kommenden Sonntag nach Karmann eingeladen. Ein grundlegender Erfolg wurde erzielt: 29 Männer ließen sich als Mitglieder einschreiben. Umgehend wurde alsdann die Gründungsversammlung einberufen, die zunächst den vor einer Woche zum Vorsitzenden ernannten Wilhelm Hink in seinem Amt bestätigte. Den weiteren Vorstand bildeten die vier anderen Herren der 1. Stunde.
Nun sollte dass neugeborene Kind dringlichst getauft werden. Wer bei der Namenssuche die Bezeichnung "Gemütlichkeit" nannte, war nicht zu ermitteln. Man war .jedoch spontan einer Meinung, dass es eine schönere Bezeichnung nicht geben könne. Also nannte man sich ein stimmig: "Bürgerverein Gemütlichkeit".
Dass man damals für den Verein diesen Namen wählte, ist für die alten und älteren Ossenberger nicht verwunderlich. Haben es doch die Ossenberger zu allen Zeiten verstanden, ihre "Gemütlichkeit"zu hegen und zu pflegen sowie ihre Festlichkeiten "entsprechend zu gestatten.
Das erste Vereinsstatut nannte Zweck und Ziele des Vereins wie folgt:
Die Pflege des nationalen Gesangs, Bildung deklamatorischer und theaterischer Vorträge zur Erheiterung und Belebung des Bürgerlichen Lebens und der ortsnachbarschaftlichen Zusammengehörgkeit.
In den folgenden Jahren bildeten sich innerhalb des Vereins:
ein Männerchor unter der Leitung des Herrn Schullehrers Gillesen, der später von seinem Nachfolger, Herrn Hauptlehrer Kann abgelöst wurde.
eine Volks-Theatergruppe, in der auch die weiblichen Angehörigen der Vereinsmitglieder mitwirkten. Als letzter Leiter der Theatergruppe ist Gerhard Awater bekannt.
Der Chor trat zu den Vereinsstiftungsfesten, an den Theaterabenden, bei Sängerwettstreits sowie bei sonstigen Gelegenheiten mit gutem Erfolg auf. So mancher Preis konnte errungen werden.
Von der Theatergruppe wurden jeweils zu Ostern und im Herbst Volksstücke im Kamann'schen Saal aufgeführt, deren Beliebtheit durch die stets überfüllten Aufführräumlichkeiten bezeugt wurde. Folgende zur Aufführung gelangten Stücke sind noch in Erinnerung:
"Die Bettelprinzessin", "Die 11 Schill'schen Offiziere", "Die Spieluhr im Glockenturm", "Zirkus Schmarinsky", "Ilona, die Zigeunerin" .
Im Vorstand hatten sich in der Zwischenzeit aus den verschiedensten Gründen Veränderungen ergeben. So wurden dem Vorstand in den vergangenen Jahren neu zugewählt:
Albert van Berk, Wilhelm Bosch, Fritz Kamann.
weiter wurde 1905 innerhalb des Vereins eine Karnevalsgesellschaft gebildet, die es sich zur Aufgabe machte, für die Durchführung von Rosenmontagszügen in Ossenberg Sorge zu tragen. In den Jahren 1907, 1908, 1910, 1912 und 1913 wurden Züge dieser Art veranstaltet, wobei jeweils 4- 5 Wagen sowie mehrere Fußgruppen vertreten waren. Natürlich fehlte auch nicht der Prinzenwagen mit dem jeweiligen Ossenberger Karnevalsprinzen. Nachstehend die Namen der Prinzen in der Veranstaltungsreihenfolge:
Fritz Kamann, Albert van Berk, Wilhelm Bosch, Gerhard .Awater und Hubert Küsters(Schumacher) .
Wagenbaumeister war in allen Jahren Johann Hangert. Gebaut wurde in Schneiders Scheune (heute Lobeck).
Außer der Fastnacht standen als Jahres-Tanzfeste der Neujahrstag, das Stiftungsfest im Juni, einer der Dorfkirmestage (früher der Dienstag, heute der Samstag) sowie im Spätherbst der Gemütliche Abend auf dem ständigen Vereinsprogramm. Diese Feiern des Vereins entbehrten nie des Frohsinns und der Gemütlichkeit und waren dazu angetan, die Bande nachbarschaftlicher Freundschaft und gemeindlicher Zusammengehörigkeit zu festigen und zu fördern.
Es sei noch erwähnt, dass der Männerchor bis zum Frühjahr 1924 bestanden hat. Der damalige Chorleiter, Herr Lehrer Kann, wurde nach Düsseldorf versetzt. In Ermangelung eines neuen Leiters löste sich der Chor dann auf.
Die Theatergruppe wirkte in althergebrachter Weise bis 1933. Die Gründe der Auflösung sind undurchsichtig.
Die Vereinsmitgliederzahl betrug 1914 etwa 120 Personen. Vorstandsmitglieder waren bis vor Kriegsbeginn folgende Männer geworden:
Hermann Jennes, Anton Gormanns, Heinrich Wessels, Dietrich Jennes, Johann Hangert
Der 1.Weltkrieg unterbrach notgedrungen die gesamte Vereinstätigkeit. Auf dem Felde der Ehre fielen 11 Vereinsmitglieder. Es waren:
Heinrich Tepass Johann Nagels
Adolf Jung Heinrich van Berg
Dietrich Jennes Johann Wollefs
WilhelmWollefs Heinrich Hamacher
Gerhard Königs Peter Bünten
Johann Dewey
Schon Ende 1919 wurde das Vereinsleben wieder aktiviert. Für den 1918 verstorbenen und bis dahin amtierenden Vorsitzenden Johann Wardemann wählte man Gerhard Börgmann zum neuen Vorsitzenden. Er erhielt zur Unterstützung Gerhard Awater als 2. Vorsitzenden beigegeben. Aus dem weiteren Vorstand von 1919 sind noch bekannt:
Josef Hamacher, Gerhard Weihofen, Albert van Berk, Wilhelm Bosch, Heinrich Jennes.
Der neue Vorstand und ganz besonders die beiden Vorsitzenden betrachteten es außer ihrer Vorstandsarbeit als Ehrenpflicht, für die gefallenen Väter und Söhne der Gemeinde ein Kriegerehrenmal zu erstellen. Johann Fonk als Gemeindevorsteher wurde diese Absicht unterbreitet, der seine volle Unterstützung von Seiten der Gemeinde zusagte. In der Folgezeit wurde bei allen Vereinsveranstaltungen darauf hingearbeitet, möglichst große Überschüsse zu erzielen, um die Ehrenmalfinanzierung voranzutreiben (erhöhte Eintrittspreise, Hutsammlungen während der Veranstaltungen, Tombola-Durchführungen etc.) Herr Fonk besorgte Listensammlungen innerhalb der Gemeinde, die vorn derzeitigen Vorstand durchgeführt wurden.
Die Inflation warf ihre Riesenschatten bereits voraus. Um das schon vorhandene Geld nicht zu verlieren, wurde im Frühjahr 1922 bei der Firma Alfen in Sonsbeck für den Kaufpreis von MK 38.000,- ein Ehrenmal bestellt. Für die z.Zt.noch bestehende Kaufpreisdifferenz bürgten Gerhard Börgmann und Gerhard Awater mit ihrer persönlichen Habe, bestehend aus je einem Haus mit Grundstück inklusive Kleinviehbestand wie Kuh, Ziegen, Schweine und Federvieh.
Im Oktober 1922 war das Ehrenmal bei Alfen fertig gestellt. Einen Standplatz hatten inzwischen die damaligen Besitzer von "Haus Ossenberg", die Reichsgrafen Luitpold und Karl Berghe von Trips, gegenüber der alten Volksschule unter der noch heute vorhandenen Friedenseiche kostenlos zur Verfügung gestellt. Albert Hamacher erklärte sich bereit, mit einem Pferde Doppelgespann nebst geliehenem Schwergut BoIlerwagen, das Ehrenmal von Sonsbeck nach Ossenberg zu transportieren.
Am 26.0ktober 1922 war das Ehrenmal fertig montiert. Hauptakteure bei der Erstellung waren:
Gerhard Börgmann, Gerhard Awater, Josef Hamacher, Gerhard Gellings, Peter Weihofen, Paul Pieper und Bernhard Hoffacker sowie Peter Slikers von der Firma Alfen.
Anfang November 1922 wurde die Gedenkstätte in einer würdigen Feierstunde, an der sich die gesamte Ortsbevölkerung beteiligte, durch den Gemeindevorsteher, Herrn Fonk, der Gemeinde Ossenberg übergeben.
Während der Inflationszeit hatte man sich recht und schlecht über die Vereinsrunden gequält. Es konnte nicht viel unternommen werden, denn der Geldwert zerfloß wie Schnee in der Mai Sonne. Beiträge wurden in dieser Zeit nicht kassiert, denn über die Dauer der Kassierung wären sie wertlos gewesen.
Mit zur Verfügung gestellten Privatbeständen (Gewehr, Munition) wurden inzwischen Freischießen veranstaltet - im Sommer draußen, im Winter oder bei Schlechtwetter im Saal - sowie Skatabende durchgeführt. Jeder Teilnehmer brachte ein verpacktes Preischen mit, und man stellte fest, man hatte mit Skat- und Schießsport Unterhaltungsmöglichkeiten auch für bessere Zeiten gefunden. Selbstverständlich gab es auch Tanz- und sonstige Feste, sowie im Sommer Familienausflüge mit Kind und Kegel nach Brambosch und zum Kuhstall nach Wardemann auf den Rheinwiesen, die immer eine besondere Gaudi waren. Dabei ging es mit Kähnen über den Altrhein und später wieder zurück, wobei die dazwischen liegenden Wiesenmärsche über Hecken und Zäunen mit vielen Überraschungen gespickt waren! Der Schreiber .erinnert sich, dass diese Ausflüge für die Kinder das Schönste am ganzen "Verein Gemütlichkeit waren".
In dieser Zeit wurde auch durch den Verein ein organisierter St. Martinszug ins Leben gerufen. Der gesamte Vorstand stellte sich als St.Martinskomitee zur Verfügung, den Vorsitz übernahm auch hier Gerhard Börgmann. Er war es auch, der während des Zuges den St. Martin versinnbildlichte, was er bis Ende der 50er Jahre beibehielt. Aus Altersgründen trat er dann hiervon zurück und Willi Hamacher übernahm für einige Jahre das Ehrenamt; später Heini Lamers aus Borther Feld, der bis zum heutigen Tag als St.Martin durch Ossenberg reitet. Herr Hauptlehrer Walter Pelzer übernahm auf Vorschlag von Herrn Börgmann Anfang der 60er Jahre den Vorsitz des St.Matinskomitees, jedoch blieben Mitglieder des Vorstandes und des Vereins bis auf den heutigen Tag dem Komitee treu um mitzuhelfen, den Kindern der Gemeinde eine weitere Freude zu bereiten.
Als nach der Inflation die Vereinskasse dann wieder in Fluss kam, entschloss man sich, endlich die bis dahin fehlende Vereinsfahne in Angriff zu nehmen. Im Juni 1926 wurde diese sodann während eines 2-Tage-Stiftungsfestes geweiht. Anfang 1927 hatte der Verein sein erstes eigenes Kleinkaliber-Gewehr. Geschossen wurde auf den in Verbindung mit den Ossenberger Bürgerschützen erstellten Hochstand .in der Grindkull. Bis zum Spätherbst war auch ein Saalstand errichtet, so dass auch im Winter dem Schießsport, der .sich .immer größerer Beliebtheit erfreute, .gefrönt werden konnte. Unser Vereinsleben erblühte weiter und weiter, trotz der immer größer werdenden politischen Unsicherheiten und Zwistigkeiten, die jedoch in einem kleinen Dorf, wie Ossenberg es war, weniger wahrgenommen wurden. Die Mitgliederzahl war auf fast 200 angestiegen und erfaßte nahezu alle eingesessenen Männer Ossenbergs.
Von hier ab bis zu Beginn des 2.Weltkrieges gibt es in der Vereinsgeschichte nicht viel zu berichten. Unsere Jahresfeste wurden noch wie ehedem gefeiert, jedoch die frühere Stimmung wollte nicht mehr so recht gelingen. Auch unter Freunden musste alles Gesagte .genau Überlegt werden, denn eine unbedachte Äußerung konnte den Betreffenden in große" persönliche oder sogar familiäre Schwierigkeiten bringen. .Man war - wie es damals hieß - gleichgeschaltet, man erhielt "Anweisungen", man hatte sich vielmals bei politischen Veranstaltungen zu betätigen. Das bisher so beliebte Vereinsleben und -treiben war in eine Zwangsjacke gesteckt,
Der 2.Weltkrieg hatte alle Vereinsunterlagen vernichtet. Ebenso waren die gesamte Schießausrüstung und die Vereinsfahne Opfer von Bomben und Granaten geworden.
Folgende 10 Vereinsmitglieder hatten den Soldatentod gefunden:
Heinrich Hoffacker Heinrich Wollefs
Heinrich Fonk Jakob Rosin
Johannes Gellings Heinrich Gellings
Heinrich Bünten Heinrich Köppen
Otto Schmiedicke Hubert van den Berg
Im laufe der 20er Jahre wurde der Vorstand mehrfach wegen, Ausscheidens ehemaliger Mitglieder durch Ableben (Albert van Berk, Hermann Jennes) oder Ortswechsel (Dietrich Wessels, Anton Gorrnanns, Gerhard Weihofen, Josef Hamacher) durch andere Mitglieder ergänzt. Zugewählt wurden in dieser Zeit: Theodor Maas, Bernhard Hunecken
Otto Lamers, Wilhelm Giesen und Gerhard Wardemann.
Der erste Vereinstätigkeits-Versuch nach dem 2.Weltkrieg wurde Karneval 1947 gestartet, der wohl einige Fröhlichkeit, jedoch noch nicht die alte Stimmung aufweisen konnte. Wie sollte es auch?
Jeder hatte in dieser Zeit seine Privatprobleme! Viele Ossenberger warteten noch auf die Heimkehr ihrer Angehörigen aus der Kriegsgefangenschaft. Außerdem waren es die Jahre der Trümmerbeseitigung, der dringlichsten improvisierten Haus- und Wohnungsreparaturen, des Fabrizierens, Organisierens und Destillierens. Man war mit Notstandsarbeiten so sehr überhäuft, dass für Amüsements wenig Zeit verblieb. Es musste weitergelebt werden, obwohl die durch Berufsarbeit erworbenen Einkünfte kaum einen Zahlungswert besaßen.
Es wurde in der Zwischenzeit oft von einer Währungsreform gesprochen - und dann war sie auf einmal da. 3 Monate später stieg die erste Ossenberger Nachkriegs-Kirmes, und da bewährte sich der Verein Gemütlichkeit wieder so, wie man es aus alten Tagen gewohnt war. Das Tanzzelt vom Vereinswirt Steinhoff (inzwischen Nachfolger von Ludwig Kamann) krachte an 3 Tagen bei allen Veranstaltungen in sämtlichen Fugen! Das war im September 1948. . .
Ach ja, wer von den damaligen Festteilnehmern erinnert sich nicht? Der Nachholbedarf war ja so enorm!
Eine Mitgliederversammlung Ende September 1948 bestätigte den alten Vorstand in seinen Ämtern. Johann Hangert und Gerh.Awater waren 1944 bzw.1945 verstorben. Der Posten des 2.Vorsitzenden wurde vorerst nicht neu besetzt, sondern vom Schriftführer, Gerhard Wardemann, mit bekleidet. Außerdem wurde beschlossen:
a) die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne,
b) .Der Kauf bzw.die Erstellung einer neuen Schießausrüstung mit einem Kleinkaliberstand für Saal- und Freiluftveranstaltungen.
Die Vereinsfahne konnte am 19. Juni 1949 in Verbindung mit dem Stiftungsfest eingeweiht werden.
Die Schießausrüstung wurde aus Gründen der damals bestehenden Sondergesetze Über Waffenhaltung erst im Sommer 1952 komplettiert und in Betrieb genommen. Die Mitglieder Johannes Börgmann und Heinrich (Hennes) Maas wurden von der Versammlung als Schießwarte gewählt
Von Anfang der 50er Jahre bis Ende der 60er Jahre wuchs der Verein zu seiner stolzesten Blütezeit seit seinem Bestehen. Anfang 1960 verzeichnete er 264, im Januar 1972 sogar 362 Mitglieder, die bis Januar 1982 jedoch wieder auf 271 abgesunken sind. Die Mitgliederzahlschwankungen der letzten 10 Jahre sind hauptsächlich auf die häufig wechselnden Bewohner in den Ossenberger Neubaugebieten zurückzuführen. Aber auch gerade das ist erfreulich und zeugt von der Beliebtheit unseres Vereins, dass Neubürger - auch in einer nur kurzen Einbürgerungszeit gerne zu uns finden. Außerdem ist es in der heutigen Zeit bei dem enorm hohen Vergnügungsangebot sehr schwer, die Jugend für Vereinsleben zu interessieren. Zudem stehen zahlreiche junge Menschen auswärts in der Ausbildung und besuchen ihren Heimatort nur sporadisch b.Zw.siedeln sich nach beendeter Ausbildung auswärts an.
Mitte der 50er Jahre wurde der Verein bei der ehemaligen Gemeinde Borth um eine Unterstützung für die Renovierung des durch Kriegseinwirkung beschädigten Ehrenmals b.Zw.zum Anbringung von Namenstafeln für die im 2.Weltkrieg Gefallenen unserer Gemeinde vorstellig. Da jedoch in Borth für die damalige Gesamtgemeinde Borth-Wallach-Ossenberg ein Ehrenmal mit Standplatz in Borth geplant b.Zw.in der Erstellung war, wurde unsere Bitte abschlägig beschieden. Die Beschädigungen wurden nun von den Mitgliedern in Eigenarbeit beseitigt. Namenstafeln waren für unseren Verein nicht erschwinglich. So wurde als Notlösung die Nachbildung des Eisernen Kreuzes mit den Jahreszahlen 1939- 1945 von Vereinsmitgliedern aus Kartuschenmaterial gefertigt und beim vorhandenen Ehrenmal aufgestellt. Ebenso wurde die Pflege und Bepflanzung auf Vereinskosten übernommen, da die Gemeinde nach Erstellung des Borther Ehrenmales sich hierzu nicht mehr als verpflichtet erachtete.
Wegen Ausbau der Graf-Luitpold-Straße,(Verbreiterung)Planung einer Bus-Haltestelle am Ehrenmal-Standplatz, übernahme der Straße durch den Kreis, sowie ständiges Anwachsen des Verkehrs, der Feierstunden kaum noch durchführbar werden ließ, wurde es erforderlich, an anderer Stelle einen Standplatz für unser Ehrenmal zu schaffen. In Verbindung mit der Kommunalbehörde wurde man sich über eine Umsetzung zum Gemeindefriedhof an der Kirchstraße einig, die im April 1974 durch die Firma Gietmann erfolgte. Bei der Demontage wurde eine verkorkte Flasche mit einer Urkunde von 1922 als Inhalt gefunden.
Die Urkunde war durch Feuchtigkeitseintritt stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch der Schriftsatz noch einwandfrei lesbar.
Die Pflege der neuen Anlage übernahm jetzt wieder die Gemeinde
Borth sowie nach der Umgemeindung die Stadt Rheinberg.
Im Laufe der vergangenen 25 Jahre wurden oftmals Wechsel in der Vorstandsbesetzung erforderlich, hervorgerufen durch Ableben, aus Alters-, Krankheits- oder Berufsgründen der vorherigen Vorstandsmitglieder. Zugewählt und wieder ausgeschieden sind:
Peter Heußen, Hans Schürcks, Martin Reiner, Hubert Pattscheck, Willi Blenkers, Paul Empelmann,
Hubert Tepas, .Josef Wittmann, Karl Baltes, Lothar Lamers und Wolfgang Gardemann.
Der noch im Amt des 1.Vorsitzenden fungierende Gerhard Börgmann wurde aufgrund seiner Verdienste um unseren Verein im Januar 1963 von der Mitgliederversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gerhard Börgmann verstarb im September 1967, noch immer im Amt des 1.Vorsitzenden tätig, bei noch geistiger und körperlicher Frische plötzlich und unerwartet, nachdem er dem Verein ab 1920 ununterbrochen vorgestanden hatte- im hohen Alter von 84 Jahren. Heinz Wittke wurde im Januar 1968 von der Mitgliederversammlung für den verwaisten Posten des 1.Vorsitzenden gewählt. Hans Schürks wurde ihm zur Unterstützung als 2.Vorsitzender beigegeben.
Aus Gründen fortschreitenden Baustellenbedarfs war es den hiesigen Vereinen ab 1974 nicht mehr möglich, den Schaustellern zur Kirmes geeignete Bauplätze anzubieten. Durch Vermittlung von Gerhard Wardemann in seiner Eigenschaft als Ortsvorsteher wurde. uns von der Stadt Rheinberg ein geeigneter Platz an der Schlossstraße zur Anmietung angeboten. In Zusammenarbeit rnit den Ossenberger Schützen wurde der Platz für 99 Jahre angepachtet. Die erforderlichen Herrichtungsarbeiten wie Abräumen, Egalisieren und Befestigen sowie die Erstellung einer Zufahrt von der Schlossstraße .für Schwergutfahrzeuge und je einer stationären Strom- und Wasserversorgung wurden von den Vereinen in Eigenarbeit durchgeführt und finanziert. Erst jetzt war es wieder möglich, unseren Dorfbewohnern wie früher zur Kirmes ein Tanzzelt anzubieten, wodurch die innere Festesfreude und die äußere Festteilnahme bei unseren Bürgern sich aktivieren mögen- so hoffen wir!
Die Vielseitigkeit der Vereinsveranstaltungen sowie der sonstigen, dem Ossenberger Bürger dienenden Aktivitäten schloss nicht aus, dass sich der Verein auch in der Unterstützung sozialer und karitativer Bestrebungen tätig zeigte. Der Kinderwelt lieh er ganz besondere Unterstützung, indem zur alljährlichen Dorfkirmes eine große Kinderbelustigung mit anschließender Bescherung veranstaltet wurde und wird. Ebenso spendet er dem St.Martinskomitee jährlich eine namhafte Beihilfe. Den Ossenberger Karnevalisten wird zur Seite gestanden, indem die Altweiberfastnacht (Möhnen) mitausgerichtet und finanziert, sowie der Bau der Wagen zur Teilnahme am Rosenmontagszug in Berka finanziell unterstützt wird.
Rückblickend darf somit festgestellt werden, dass unser Jubelverein mit bewundernswerten Erfolgen 10 Jahrzehnte hindurch seinen Mitgliedern sowie allen bei uns zu Gast weilenden Freunden erheiternde, Sorgen vergessende frohe Stunden bescherte, wie sie nun einmal jeder nach Tagesarbeit und Alltagssorgen braucht und herbeisehnt. In diesem Sinne darf man die 100 Jahre unseres .Vereinslebens als einen lobenswerten Beitrag zur Förderung dörflichen Gemeinschaftslebens und bescheidener, aber wahrer Lebensfreude bezeichnen.
So wollen wir denn unsere Niederschrift, die allen Ossenbergern einen bescheidenen Rückblick über unser Vereinsleben ermöglichen möge, beenden, indem wir der Männer gedenken, die vor 100 Jahren den Mut und Idealismus aufbrachten, den Verein "Gemütlichkeit" zum Wohle der Bürger unseres Ossenbergs ins leben zu rufen.
Wir versprechen gleichzeitig, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um unseren Verein "Gemütlichkeit" zu erhalten, zu fördern und zu pflegen zum weiteren Wohle unserer Kinder und der dörflichen

 "G E M Ü T L I C H K E I T"!

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